5. Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch vom 19. bis 21. September 2014 

Seit fünf Jahren gibt es die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch, die 2010 durch den gemeinnützigen Verein „Schostakowitsch in Gohrisch“ und in enger Kooperation mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden ins Leben gerufen wurden und sich inzwischen zu einem festen Anlaufpunkt für Schostakowitsch-Freunde aus aller Welt entwickelt haben. Das Festival würdigt den russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch, der sich 1960 und 1972 in dem idyllischen Luftkurort Gohrisch in der Sächsischen Schweiz aufhielt und hier im Juli 1960 sein achtes Streichquartett komponierte. Es ist eines seiner meistgespielten Werke und spiegelt in erschütternder Weise sein Leiden unter dem Sowjetregime wider. 

Das achte Streichquartett steht auch auf dem Programm des fünften Festivals – und zwar im Rahmen eines Musiktheaterprojektes, das die diesjährigen Festtage eröffnet: „Fräulein Tod trifft Herrn Schostakowitsch“ ist der Titel der szenischen Collage, die die Schauspielerin Isabel Karajan zu Musik von Schostakowitsch und satirischen Texten seiner Zeitgenossen entworfen hat. Beteiligt an diesem Projekt, das im Gohrischer Theaterzelt seine Premiere erlebt und in Kooperation mit den Osterfestspielen Salzburg entsteht, sind auch der Pianist Jascha Nemtsov und das Dresdner Streichquartett. 

Schostakowitsch – Bach – Gubaidulina 

Neben Schostakowitsch stehen in diesem Jahr zwei weitere Komponisten im Fokus: Johann Sebastian Bach und Sofia Gubaidulina. Bach war zeitlebens eines der zentralen Vorbilder für Schostakowitsch, und Sofia Gubaidulina wiederum schreibt Schostakowitsch „größte Einflüsse“ auf ihr Werk zu; Schostakowitsch habe sie gelehrt, „ich selbst zu sein“. Die 1931 in der Tatarischen Sowjetrepublik geborene Komponistin ist in ihren Werken in spiritueller und struktureller Hinsicht aber auch stark durch Bach geprägt – so dass sich in diesem Dreierspektrum ein spannender Dialog zwischen den Epochen ergeben dürfte. 

Dieser Dialog wird zum Beispiel im Kirchenkonzert greifbar, wenn das Ensemble Vocal Concert Dresden unter der Leitung von Peter Kopp und der Organist Friedemann Herz Werken wie Bachs Motette „Jesu, meine Freude“ Orgel- und Chorkompositionen von Sofia Gubaidulina und Schostakowitsch gegenüberstellen. Bereits auskomponiert ist der Dialog in Gubaidulinas „Meditation über den Bach-Choral ‚Vor deinen Thron tret‘ ich hiermit‘“ und in ihren „Reflexionen über B-A-C-H“, in denen sie das berühmte Namensmotiv reflektiert, das Schostakowitsch – nicht zuletzt im achten Streichquartett – zu einer eigenen musikalischen Signatur inspirierte (D-Es-C-H). 

Naheliegend ist darüber hinaus die Gegenüberstellung von Präludien und Fugen aus Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ und Schostakowitschs Klavierzyklus op. 87, den er nach seinem Besuch des Leipziger Bachwettbewerbs 1950 – seinem ersten Aufenthalt in der damaligen DDR – komponierte. Den Klavierkomponisten Schostakowitsch würdigt das Programm auch mit beiden Klavierkonzerten, deren Solopart von der Pianistin Anna Vinnitskaya übernommen wird. Außerdem stehen Schostakowitschs Violinsonate in einer Orchesterfassung, das „Kleine antiformalistische Paradies“ – eine Bearbeitung des „Antiformalistischen Rajoks“, mit dem Schostakowitsch satirisch auf seine öffentliche Verurteilung 1948 reagierte – und ein weiteres seiner Streichquartette auf dem Programm: das siebte Quartett, das er besonders liebte und das in Gohrisch vom Jacobus-Stainer-Quartett interpretiert wird. 

Werke weiterer Komponisten runden das Spektrum ab – und eröffnen vielfältige Perspektiven. So die vierte Kammersymphonie des noch immer zu wenig bekannten Schostakowitsch-Freundes Mieczysław Weinberg, dem bereits 2012 in Gohrisch ein Schwerpunkt gewidmet war. Mit „Chiaroscuro“ für Violine und Kammerorchester bringen Gidon Kremer und die Kremerata Baltica ein Werk des georgischen Komponisten Gija Kantscheli zur Deutschen Erstaufführung. Und es erklingt auch eine Uraufführung: das Kammermusikwerk „So sei es“, das Sofia Gubaidulina in Erinnerung an ihren Komponistenfreund Viktor Suslin geschrieben hat, der seinerseits mit einigen Werken im Programm vertreten ist. Diese Premiere mit der Geigerin Nurit Stark und ihrem Ensemble verspricht ein besonderer Höhepunkt des Festivals zu werden. 

Auch eine Filmvorführung wird es wieder geben: „Dem kühlen Morgen entgegen“ ist ein faszinierendes Schostakowitsch-Porträt mit Armin Müller-Stahl in der Hauptrolle, dem man bei der fiktiven Beschäftigung mit Leben und Werk Schostakowitschs über die Schulter schaut – ein idealer Einstieg in die Welt Schostakowitschs, der – als Geschenk des Festivals zum Jubiläum – allen Interessierten bei freiem Eintritt angeboten wird. 

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